Über uns

Branchenanalyse

Über uns

Branchenanalyse

Die Branchenanalyse Sozialversicherungsträger von Katrin Vitols und Steffen Gabriel im Auftrag der Hans-Böckler-Stiftung (Oktober 2020)

Branchenanalyse Sozialversicherungsträger Cover 2020 Hans-Böckler-Stiftung Working Paper

Die Sozialversicherung ist ein Eckpfeiler des deutschen Sozialstaats. Sie schützt die Anspruchsberechtigten vor den finanziellen Folgen der größten Lebensrisiken – wie Krankheit, Unfall, Arbeitslosigkeit, Alter und Invalidität. Darüber hinaus stellt sie Maßnahmen zur Verfügung, die Erwerbstätigkeit oder Erwerbsfähigkeit aufrechterhalten oder wiederherstellen. Zur Sozialversicherung gehören die Deutsche Rentenversicherung, gesetzliche Krankenversicherung, soziale Pflegeversicherung, Arbeitslosenversicherung und gesetzliche Unfallversicherung.

Die Sozialversicherung ist von Wandel und Dynamik kennzeichnet. Veränderte Vorgaben der Aufsichtsbehörden, gesetzliche Neuregelungen und eine immer stärker auf Optimierung und Effizienz ausgerichtete Ausgestaltung der Verwaltung, Haushalte und Leistungserfordernisse führen zu einem starken Anpassungs- und Veränderungsdruck, der auch die in den verschiedenen Sozialversicherungszweigen tätigen Beschäftigten betrifft.

Die Branchenstudie untersucht die komplexen Zusammenhänge, die auf die Träger der Sozialversicherung, u. a. die Deutsche Rentenversicherung Bund und die Regionalträger, Kranken- und Pflegekassen, die Bundesagentur für Arbeit sowie Berufsgenossenschaften, Unfallversicherungen und -kassen einwirken.

Im Mittelpunkt der Analyse steht die Frage, wie sich die Veränderungen auf die Arbeit und Beschäftigung bei den Trägern der Sozialversicherung auswirken. Untersucht werden die organisatorischen und strukturellen, gesetzlichen, wirtschaftlichen und finanziellen, aber auch technologischen Entwicklungen und Trends bezogen auf ihre Auswirkungen auf Arbeitsplätze und Qualifikationsanforderungen, Beschäftigungsstruktur und Arbeits- und Beschäftigungsbedingungen.

In Anbetracht der aktuellen Corona-Krise wird darauf hingewiesen, dass die Forschungsarbeiten bereits vor dem Ausbruch der Krise abgeschlossen wurden, sodass Erfahrungen und Veränderungen, die auf die Krise zurückzuführen sind, in die Publikation nicht eingeflossen sind.

Die Untersuchung nutzt verschiedene empirische Untersuchungsmethoden und basiert neben einer Literaturanalyse und einer Auswertung von Daten des statistischen Bundesamtes auf Experteninterviews in den Zweigen der Sozialversicherung.


Wesentliche Ergebnisse der Analyse sind:

  • 1. Sozialversicherung als Kern des Systems

    Die gesetzliche Sozialversicherung ist die wichtigste Institution der sozialen Sicherung in Deutschland. Sie ist von einer starken Dynamik und einem hohen Wandel gekennzeichnet. Es wirken verschiedene Steuerungslogiken auf die Sozialversicherung ein.

  • 2. Wie wird sie künftig finanziert?

    Die Finanzierung der Sozialversicherung steht vor zunehmenden Herausforderungen. Die Entwicklungen am Arbeitsmarkt sind ein Problem für die Nachhaltigkeit des Systems.

  • 3. Der Kosten- und Effizienzdruck steigt.

    Die Träger der Sozialversicherung übernehmen moderne Managementansätze und -methoden. Neue Orientierungspunkte sind häufig Effizienzsteigerungen und Kostensenkungen.

  • 4. Viele Frauen, häufig in Teilzeit

    Alle Träger der Sozialversicherung weisen eine ähnliche Beschäftigungsstruktur auf: Frauen stellen ein Großteil der Beschäftigten der Sozialversicherung (bis zu 70 Prozent), fast 40 Prozent der Beschäftigten arbeiten in Teilzeit.

  • 5. Sinkende Beschäftigtenzahlen

    Die Beschäftigtenzahlen in der Sozialversicherung sind trotz steigender Versichertenzahlen insgesamt rückläufig. Gründe für den Personalrückgang sind überwiegend Folge von Effizienzsteigerungen und Kostensenkungsmaßnahmen.

  • 6. Fachkräftemangel

    Der demografische Wandel wirkt auf die Beschäftigung in der Sozialversicherung besonders stark. Es droht eine Verknappung von Fachkräften.

  • 7. Arbeitsanforderungen steigen

    Die Arbeitsverdichtung und -intensität nimmt bei den Beschäftigten der Träger der Sozialversicherung zu. Die Entwicklung ist u. a. Folge einer zu knappen Personalbemessung. Die emotionalen Arbeitsanforderungen sind hoch.

  • 8. Digitalisierung leistet noch nicht viel Unterstützung.

    Der Einsatz von digitalen Technologien ist bei den Trägern der Sozialversicherung unterschiedlich weit entwickelt. Arbeitserleichterungen durch Digitalisierung werden von den Beschäftigten jedoch selten so wahrgenommen. Bisher beschränken sich Substitutionseffekte meist auf einfachere Hilfstätigkeiten.


Fazit

Die Ergebnisse der Analyse weisen auf eine hohe Anpassungsfähigkeit der Sozialversicherung aber auch auf zahlreiche Herausforderungen hin.

Um die Sozialversicherung zukunftsfest auszugestalten und angemessen auf die gesellschaftlichen Veränderungen zu reagieren, müssen Trägerinstitutionen und Politik zusammenarbeiten und die Selbstverwaltung gestärkt werden.

Neben Fragen der Ausgestaltung und Finanzierung der Sozialversicherung rücken dabei auch die Themen Arbeit, Beschäftigung und Digitalisierung in den Vordergrund.

Die vollständige Branchenanalyse von Oktober 2020 findet ihr hier als PDF:


Und was hilft in schwierigen Zeiten? Eine starke Gewerkschaft!

Dafür brauchen wir eure Rückendeckung: als ver.di-Mitglied und damit als Teil unserer Basis. Denn je mehr wir sind, umso größer ist unsere Durchsetzungskraft!
Immer noch nicht Mitglied bei ver.di?

Dann nichts wie los – für gute Arbeitsbedingungen in der Sozialversicherung!


Ich will mehr Infos zu ver.di!